Wirkungsbeobachtung: Small Business Schulungsprogramm der Arche in Kenia

„Ich komme aus einem Umfeld, wo Männer viele Frauen heiraten dürfen. Ich war die zweite Frau meines Mannes. Dann heiratete er eine andere und ließ mich allein – mit sechs Kindern. Ich musste einen Weg finden, für sie zu sorgen. Die Arche-Schule half mir mit der Bildung meiner Kinder, während ich auf der Straße um Essen bettelte und um Geld für die Miete.

Das „Small Business Programm“ der Arche ermöglichte mir dann, ein regelmäßiges Einkommen zu erwirtschaften. Noch ist mein kleines Unternehmen nicht völlig selbsttragend, und die Sprachbarriere macht es nicht einfacher, denn ich bin Somali und verstehe kein Swahili. Aber durch Hilfe mit der Übersetzung und wöchentliche Besuche von Janet, der Koordinatorin, hat sich mein Geschäft schon so weit entwickelt, dass ich etwa die Hälfte der Schulkosten meiner Kinder tragen kann, die Miete für ein kleines Zimmer bezahlen und Essen kaufen. Und mein Geschäft entwickelt sich kontinuierlich weiter, dank Janets Mentoring!“ (R.W.)

Von Mai 2024 bis April 2025 führte die Arche-Schule mit unserer Förderung ein Kleinstunternehmen-Programm für die erste Gruppe von Frauen im Kariobangi-Slum in Nairobi, Kenia, durch. Einen ausführlichen Bericht dazu lesen Sie hier.

Das Programm wurde vor Ort kontinuierlich evaluiert und von uns eng begleitet. Aus den Wirkungsbeobachtungen ergaben sich einige Anpassungen bereits während der Projektlaufzeit sowie Erkenntnisse für die nächste Gruppe, die im Juni 2025 mit dem Programm begann.

Zu den Beobachtungen bzw. Erkenntnissen und Anpassungen gehörte unter anderem:

  • Nach der ersten Schulung schlug die Leiterin vor, eine weitere Schulung ins Programm mit aufzunehmen. Sie erkannte, dass die Teilnehmerinnen sehr schwierige Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben (Missbrauch, Naturkatastrophen, Opfer politischer Gewalt u.v.m.) und von den Traumata noch stark betroffen sind, wodurch auch ihre Geschäfte beeinträchtigt werden. Damit die Frauen besser im Alltag zurechtkommen, ihre Geschäfte gut weiterführen und adäquat mit Kunden umgehen können, empfahl die Schulungsleiterin ein „Mental Wellness Training“.

-> Die zusätzliche Schulung wurde im Herbst für die erste Gruppe sehr erfolgreich durchgeführt und in die Planung für die nächste Gruppe aufgenommen.

  • Nach einiger Zeit wurde offensichtlich, dass die Frauen noch mehr Grundkenntnisse in der Buchführung brauchen. Dies wurde durch regelmäßige „Refresher“-Schulungen und in wöchentlichen Besuchen gefördert.

-> Auch für die neue Gruppe wurde sichergestellt, dass wöchentliche Monitoring-Besuche bei allen Geschäftsfrauen stattfinden, da diese Praxis maßgeblich zum Erfolg des Projektes beigetragen hat.

  • Alle Frauen erhielten ein Startkapital und begannen zeitnah, dies aus ihrem Profit zurückzuzahlen. Dies funktionierte in der ersten Gruppe gut, trotzdem betonte die Koordinatorin, dass mehr Variation beim Startkapital sinnvoll ist, da die Frauen sehr unterschiedliche Fähigkeiten und die Geschäfte sehr verschiedenen Umfang haben. Es wird zur Herausforderung, wenn die Teilnehmer ihre Fähigkeit über- oder unterschätzen.

-> Auf diese Tatsache soll in der nächsten Gruppe noch stärker geachtet werden. Alle Frauen müssen einen Businessplan abgeben (wurde bereits in der ersten Gruppe so gehandhabt), der noch stärker geprüft und detailliertes Feedback gegeben werden sollte.

  • Im Umfeld der Arche-Schule bzw. im Kariobangi-Slum sind sowohl Analphabetismus als auch die Sprachbarriere tägliche Herausforderungen; einige Frauen kommen aus geflüchteten oder eingewanderten Familien und sprechen kein Swahili. Das war sowohl in den Schulungen als auch im Followup ein Problem.

-> Für die Übersetzung wurden die Kinder zur Hilfe geholt (vor allem an Wochenenden). Es wurde stärkerer Fokus auf korrekte Beschilderung der Ware gelegt; darin wurden die Frauen unterstützt von Freunden und Nachbarn, die lesen und schreiben können. In der nächsten Gruppe muss ebenfalls darauf geachtet werden, dass alle Teilnehmerinnen schon früh gute Bepreisung und Beschilderung lernen.

  • Während der Laufzeit fanden starke politisch-motivierte Unruhen im Kariobangi-Slum und anderen Teilen Kenias statt. Dadurch waren die Geschäfte der Frauen beeinträchtigt; einerseits bestand die Gefahr der Plünderung oder Zerstörung, andererseits konnten verderbliche Waren nicht verkauft werden. Das Leitungsteam half den Frauen, ihre Waren zu diversifizieren, sodass dieses Risiko minimiert wurde, und empfahl ihnen, während der Unruhen die Läden geschlossen zu halten. Die meisten Geschäfte überstanden die Zeit ohne größere Schäden; einer Frau wurde das Haus zerstört, und die anderen Frauen legten zusammen und gaben ihr einen Kredit aus der Gruppe, um ihr den Neustart zu ermöglichen.

-> Ratschläge für das richtige Verhalten in ähnlichen Situationen wird als Schulungsinhalt auch für spätere Gruppen aufgenommen.

  • Zu Projektende wurde deutlich, dass einige Frauen noch immer Unterstützung bei der Kalkulation der Kosten und Bepreisung der Ware benötigen. Wenn die Ware falsch beschriftet ist, können außerdem Verluste entstehen. Zusätzlich brauchen die Frauen mehr Unterstützung dabei, ihre Angebote an die Marktnachfrage anzupassen.

-> Für die Frauen wird weiter regelmäßiges Mentoring angeboten. Dies erfolgt im Rahmen der Monitoring-Besuche für die nächste Gruppe.

  • Insgesamt wurde im Verlauf des Projektes klar, dass die regelmäßigen Besuche mit Mentoring und Monitoring grundlegend für den Erfolg sind und zwischen Koordinatorin und Teilnehmerinnen eine gute Beziehung aufgebaut werden sollte.

-> Aus diesem Grund traf die Koordinatorin sich bereits einige Zeit vor Schulungsbeginn wöchentlich mit der neuen Gruppe für 2025, um Beziehungen aufzubauen, die geschäftlichen Kapazitäten der Teilnehmer zu bewerten und die Frauen zum Sparen zu animieren.

„Für mich ist die Arche-Schule ein Licht“

Eine Mutter berichtet, wie die Arche-Schule in Kenia das Leben ihrer Familie verändert hat

„Ich heiße Kamila* und bin kenianische Staatsbürgerin, aber ursprünglich komme ich aus Äthiopien. Als ich die Arche-Schule kennenlernte, hatten meine Kinder bereits zwei Jahre keine Schule besucht. Wir hatten eine sehr schmerzhafte Trennung hinter uns. Ich war immer Hausfrau und hatte mich voll und ganz auf meinen Mann verlassen. Nach der Trennung waren wir obdachlos. Viele Tage lang flehte ich völlig unbekannte Menschen an, uns für nur eine Nacht aufzunehmen.

In die Arche-Schule hat mich Gott geführt. Eine Freundin erzählte mir davon. Sie sagte dass es eine gute Schule ist, und so hatte ich den Mut, dort hinzugehen. Ich flehte die Lehrer an und gab zu, dass ich kein Schulgeld bezahlen konnte, aber mich so sehr nach Hilfe sehnte. Die Lehrer prüften meine Situation und erkannten, wie schlimm es uns ging. Sie waren so einfühlsam! Sie haben mir ein kleines Zimmer gemietet, in dem ich und meine Kinder unterkamen. Zu der Zeit hatte ich nicht einmal eine Decke, um meine Kinder zuzudecken. Aber ich war so ermutigt, endlich einen sicheren Zufluchtsort zu haben!

Meine drei Kinder sind jetzt seit fünf Jahren in der Arche-Schule. Und letztes Jahr hat die Schule mir geholfen, mit ein wenig Startkapital ein kleines Geschäft zu gründen. Da habe ich gemerkt, dass dieser Gott ein Gott ist, der Wunder tut!

Ich habe einen kleinen Laden eröffnet und der Erlös hilft mir, genug Nahrung für meine Kinder zu kaufen. Jetzt fangen auch meine Kinder an, wirklich eine Zukunft zu sehen. Die Arche-Lehrer sind für mich und meine Kinder wie Familie. Sie unterstützen uns auf so viele Weise – sozial, emotional, geistlich … und natürlich auch meine Kinder auf ihrem Bildungsweg.

Für mich als Mutter, aber auch als Mitglied der örtlichen Gemeinschaft, ist die Arche-Schule ein Licht: das Licht unseres Stadtteils, der Menschen hier, und das Licht meiner Familie. Und das sehe nicht nur ich so: Über viele Jahre haben viele Menschen betont, wie wichtig die Arbeit der Arche-Schule ist und welch großen Einfluss und positive Veränderung sie in unserem Umfeld bewirkt.“

 

Kamila ist eine von zwölf Frauen, die 2024 an unserem neuen Kleinstunternehmen-Schulungsprogramm für Mütter teilnahm – einen ausführlichen Bericht lesen Sie hier. (Das Foto zeigt eine andere Frau aus diesem Schulungsprogramm.)

Die Arche-Schule unterstützten wir als Helping Hands e.V. seit über 15 Jahren – u.a. durch Patenschaften für Kinder, deren Eltern sich das Schulgeld nicht vollständig leisten können. Falls Sie eine Patenschaft für ein Arche-Kind übernehmen möchten, wählen Sie bitte auf dem Patenschafts-Formular „Afrika“.

 

*Name zum Schutz der Privatsphäre geändert

„Die beste Idee überhaupt“

Neues Schulungsprogramm im Kariobangi-Slum in Kenia schafft nachhaltige Veränderung

„Unser Fazit: Dieses Kleinstunternehmen-Schulungsprogramm für die Mütter war die beste Idee überhaupt. Es hat ein selbstständiges, selbstbewusstes und sehr motiviertes Team von Frauen hervorgebracht. Ihre Zukunft, die bisher nur düster war, ändert sich jetzt drastisch. Auch das Leben ihrer Kinder hat sich verändert. Sie besuchen die Schule und Colleges, manche sogar die Universität.“

Der Alltag im Kariobangi-Slum in Nairobi, Kenia, ist alles andere als einfach – vor allem für Mütter. Polygamie ist hier normal, und meist werden die Frauen dann mit ihren Kindern sitzengelassen. Aus Verzweiflung nehmen sie unwürdige „Arbeit“ an – sie betteln auf der Straße, verkaufen illegalen Alkohol, bieten Sex gegen Bezahlung. Das reicht in der Regel nur fürs nackte Überleben, und die Kinder haben keine Chance, sich gesund zu entwickeln oder zur Schule zu gehen.

„Ich bin eine alleinerziehende Mutter, mein Mann verließ mich für eine andere Frau“, beschreibt Caroline ihre Erfahrung. „Zu der Zeit habe ich gerade unser jüngstes Kind gestillt und hatte keinen Job. Unser Vermieter war gnadenlos und hat uns ausgesperrt. Meine Kinder mussten alle mit der Schule aufhören, weil ich kein Geld hatte.“

Die Frauen zu bevollmächtigen und somit eine ganze Familie und die Zukunft der Kinder zu „retten“, das ist das Ziel des Schulungsprogramms, das die Arche-Schule im Kariobangi-Slum startete. Die Arche-Schule dient den Familien hier seit einem Vierteljahrhundert und hat schon Hunderten von Kindern eine ausgezeichnete Bildung und einen hoffnungsvollen Start ins Erwachsenenleben ermöglicht.

Während der Corona-Pandemie wurde klar, dass auch die Familien noch intensiver unterstützt werden müssen, um ein gesundes Umfeld für die Kinder zu ermöglichen. Damals wurde schon ein kleines Schulungsprogramm für 15 Frauen durchgeführt, von denen 12 noch aktiv ihre Geschäfte betreiben. Im Frühjahr 2024 entwickelte das Leitungsteam der Arche dann ein strukturiertes Programm, das jedes Jahr eine weitere Gruppe von Frauen darin schult und begleitet, neue Kleinstgewerbe zu gründen bzw. bestehende auf eine erfolgreiche Basis zu stellen. So sollen die Frauen langfristig genügend Einkommen generieren, um die Kosten für Nahrungsmittel, Miete, Ausbildung und andere grundlegende Bedürfnisse ihrer Familien selbst tragen zu können, anstatt auf Hilfsgüter angewiesen zu sein. Das Programm umfasst Schulungen, Unterstützung bei der Marktanalyse und beim Verfassen eines Business-Plans, Startkapital und wöchentliches Followup durch Janet, die Koordinatorin des Programms. Alle 12 Arche-Mütter der 2024er Gruppe sind noch aktiv in ihren Kleinstunternehmen engagiert.

„Ich bin so dankbar für dieses Programm der Arche-Schule, durch das ich gelernt habe, mein eigenes Geschäft erfolgreich zu starten – ich verkaufe jetzt Bananen, Orangen, Mangos, Zwiebeln und Avocados –, und die nötigen finanziellen Mittel dafür habe ich auch erhalten“, berichtet Caroline. „Jetzt hab ich einen kleinen Raum für uns als Familie gemietet, meine Kinder gehen wieder zur Schule, und wir haben wenigstens zwei Mahlzeiten am Tag. Dank der Betreuung durch Janet weiß ich, wie ich Preise festsetze und wie ich meinen Gewinn kalkulieren kann. Ich bin zuversichtlich, dass das Geschäft mir bald helfen wird, unsere gesamten täglichen Bedürfnisse zu decken und unseren Lebensstandard zu verbessern.“

Auch Hellen, ebenfalls eine alleinerziehende Mutter, ist begeistert: „Ich war eine von den glücklichen Personen, die am Schulungsprogramm teilnehmen durfte. Ich habe gelernt, wie man Buchhaltung macht und mit Kunden umgeht, und mein Geschäft auf eine sichere Basis gestellt. Meine Kinder gehen jetzt regelmäßig zur Schule, und wenn sie nach Hause kommen, dann finden sie Mahlzeiten auf dem Tisch – alles dank eurer Hilfe!“

Das Kleinstunternehmen-Programm ist ein einfaches Konzept – aber es funktioniert. Zentral ist die viertägige „Business“-Schulung, in denen die Frauen Kenntnisse und Fertigkeiten erlernen, um ein kleines Unternehmen zu starten und erfolgreich zu verwalten und weiterzuentwickeln. Später folgt eine weitere Schulung zum „Auffrischen“; auch eine Einheit für psychische Gesundheit wird den Frauen angeboten, da viele unter traumatischen Erfahrungen leiden. Janet besucht jede Geschäftsfrau mindestens zweimal pro Woche, um ihre Bücher und Kosten zu prüfen, Hinweise zur Preisgestaltung und Vermarktung der Produkte zu geben und ihnen zu helfen, tatsächlich Gewinn zu erzielen.

Gemeinsam mit Janet haben die Frauen schon einige Herausforderungen bewältigt – unter anderem die Sprachbarriere, da viele eingewandert sind und sich in der Landessprache kaum verständigen können; hier sind die Schulkinder oft eine große Hilfe. Aber trotz dieser kleinen Hürden ist Janet sehr zuversichtlich über den Erfolg des Programms:

„Aufgrund der Schulungen und den wöchentlichen Besuchen haben wir jetzt 24 aktive Unternehmen, 20 davon führen ihre Buchhaltung schon gut durch, und 19 sind ausgezeichnet in der Vermarktung ihrer Produkte oder Dienste und ziehen neue Kunden an, sodass ihr Gewinn steigt und das Unternehmen wächst. Die Teilnehmer der früheren Gruppe können 60% der Bedürfnisse ihrer Familien selbst begleichen – zum Beispiel eine ausgewogene Ernährung, Schulkosten und Miete – und werden bis Ende dieses Jahres wohl unabhängig sein. Die 2024er-Gruppe hat bereits 45% erreicht, d.h. sie können zu einem Teil das Schulmaterial und Lebensmittel für ihre Familie kaufen und die Miete bezahlen. Sie werden wohl noch bis Mitte nächsten Jahres wöchentliche Besuche benötigen, um vollständig selbstständig zu werden. Da sie alle gute Aufzeichnungen über ihre Ver- und Einkäufe und den Fortschritt ihres Geschäfts machen, können sie in Zukunft auch Darlehen von Banken beantragen.

Insgesamt ist das Betteln stark zurückgegangen; die Familien sind nicht mehr auf Almosen von Freunden oder Nachbarn angewiesen. Auch die häusliche Gewalt hat sich verringert, und die Kinder besuchen zu 100% die Schule. Die Schulung zur psychischen Gesundheit hat außerdem den Frauen geholfen, mit ihrem Umfeld gesunde Beziehungen zu fördern.“

Auch Torsten S., erfolgreicher Geschäftsmann und Mitglied von Helping Hands, der im Frühjahr 2025 einige der Geschäftsfrauen im Rahmen einer privaten Reise persönlich besuchen konnte, ist beeindruckt von den beobachteten Ergebnissen: „Eine Frau mit einem kleinen Gemüsestand hat mir bestätigt, dass sie aus ihrem Einkommen drei Kinder und ein Enkelkind ernährt und Schule und Unterkunft bezahlt. Eine andere Frau hat einen Friseursalon gestartet und viel Potential, Geld zu verdienen, denn ihre Kundinnen scheinen sehr zufrieden zu sein und durch Mundpropaganda bekommt sie neue Kunden.

Insgesamt hat diese Initiative nachhaltig die Lebenssituationen der Familien verändert. Die Frauen sind selbstständig und strahlen ein großes Selbstbewusstsein aus, dass sie ihr Leben selbst managen können. Es ist schön zu sehen, dass das wirklich Hilfe zur Selbsthilfe ist!“

Vierundzwanzig erfolgreiche Geschäftsfrauen … vierundzwanzig Familien, die einen gesunden Alltag erleben dürfen und mit Hoffnung auf Morgen blicken … somit auch fünfzig bis hundert Kinder, die die Schule besuchen und eine echte Chance für die Zukunft haben – das zieht auch Kreise weit über die ursprüngliche Gruppe hinaus. Janet reflektiert: „Wir glauben, dass der Erfolg dieses Projekts diesen Teil des Kariobangi-Slums auf eine neue Ebene bringt und viele Menschen zum Nachahmen animiert. Wir sind sehr dankbar für diese Vision und freuen uns auf die Fortsetzung des Programms.“

Derzeit steht eine neue Gruppe von Frauen in den Startlöchern, um die Schulungen zu beginnen, ihre Geschäftspläne auszuarbeiten und umzusetzen. Aber dieses Mal sind es nicht nur Mütter von Arche-Schülern. Denn schon nach kurzer Zeit hat das Programm über die Schule hinaus Wirkung gezeigt – einige Frauen aus der Community kamen zur Arche und haben gebeten, ins Projekt aufgenommen zu werden. Janet hat bereits mehrere Monate mit ihnen zusammengearbeitet, um Kontakte zu knüpfen und die Frauen auf das Schulungsprogramm vorzubereiten.

Und plötzlich hat das Ziel des Schulungsprogramms sich geöffnet in eine viel breitere Vision: nicht nur einzelne Familien zu bevollmächtigen, sondern einen ganzen Stadtteil nachhaltig zu verändern und einen Ort der Hoffnung zu erschaffen, wo bisher die Hoffnungslosigkeit herrschte.

Ein Schritt in Richtung Heilung

Therapieprogramm an der NES-Schule in Beirut durchläuft erfolgreich erste Phase

„Ich weiß gar nicht genau, wie ich mich fühle – nur traurig und verwirrt bin ich die ganze Zeit.“ Charbel*, ein Siebtklässler an der NES-Schule in Beirut, Libanon, wohnt direkt neben einer Gegend, die von häufigen Bombenangriffen betroffen ist. Er hat eine schreckliche Zeit hinter sich. Aber das Schlimmste dabei: Er fühlte sich mit seiner Angst und seinen Fragen völlig allein. „Meine Eltern zeigen ihre Gefühle nicht, es ist, als ob sie weit entfernt von mir sind.“

Charbel machte einen wichtigen Schritt: In einer Pause suchte er den Raum der Schul-Therapeutin auf und kam mit seinen Fragen zu ihr. Sara, ausgebildete Psychologin, arbeitet seit 2022 als Therapeutin an der NES-Schule und hat schon einige traumatische Ereignisse mit den Kindern durchgearbeitet. Der Beginn der Bombenangriffe im Herbst 2024 hat die Traumata noch verschärft. Deshalb hat die NES-Schule ein umfassendes Therapieprogramm entworfen, das nach Ostern in eine zweimonatige Testphase startete. Seitdem arbeitet Sara noch konzentrierter mit den Schulklassen und mit einzelnen Kindern zusammen. Charbel konnte sie helfen, seine Emotionen zu erkennen, zu akzeptieren und auszusprechen und gesunde Wege zu finden, mit negativen Gefühlen und Trauma umzugehen.

„Seit mehr als drei Jahren arbeite ich als Psychologin an der NES, und ich sehe die direkten und indirekten Auswirkungen des Krieges auf unsere Schüler und ihre Familien: ein wachsendes Gefühl der Unsicherheit, Hilflosigkeit und emotionalen Betäubung,“ berichtet Sara. „Viele Eltern und Kinder fühlen sich überfordert, weil sie keine Kontrolle über ihre Lebensumstände haben, oder sie ertrinken in toxischer Positivität – dem Druck, hoffnungsvoll zu bleiben, während sie echte Ängste und Trauer unterdrücken.“

Besonders stark betroffen sind die etwa hundertfünfzig Kinder aus geflüchteten Familien, die an der NES in einem Nachmittagsprogramm unterrichtet werden. Für sie wurde ein spezielles Programm entwickelt, das u.a. in wöchentlicher Einzel- und Gruppentherapie grundlegende Aspekte der psychischen Gesundheit fördert. „Viele dieser Kinder – manche sind erst 12 Jahre alt – sind mit Erwachsenen-Pflichten belastet; viele müssen arbeiten, um Eltern und jüngere Geschwister zu unterstützen. Überhaupt ihre Gefühle zuzulassen oder einzugestehen fühlt sich für sie ‚verboten‘ an.“ Das Programm bietet den Kindern einen sicheren Raum, um ihre Gefühle auszudrücken – oft zum ersten Mal – und Vertrauen aufzubauen.

Doch es sind nicht nur die Kinder, die Hilfe brauchen. Deshalb bezieht das Therapieprogramm auch Lehrer und vor allem Eltern mit ein. „Viele Betreuungspersonen sind sich ihrer eigenen emotionalen Wunden und unverarbeiteten Traumata nicht bewusst“, erläutert Sara. „Dieser Mangel an Bewusstsein beeinträchtigt oft ihre Fähigkeit, ihre Kinder emotional zu unterstützen, und kann unbeabsichtigt Ängste, Furcht oder Distanziertheit auf die Kinder übertragen.“

In verschiedenen Schulungen und Selbsthilfegruppen lernen Eltern und Lehrer, mit ihren eigenen Ängsten umzugehen und auf die Gefühle der Kinder richtig zu reagieren: „Mir war nicht klar, wie sehr meine eigenen Gefühle mein Kind beeinflussen“, gaben Teilnehmer zu. Dabei kamen bei vielen Eltern tiefere emotionale Wunden zu Tage, die oft noch aus früheren Kriegen und Konflikten stammten. Nach einer Weile begannen die Eltern, ihre Ängste, Herausforderungen und Verwundbarkeit offen anzusprechen – und merkten dadurch, dass sie nicht allein sind: „Mir war nicht bewusst, dass andere Eltern auch sowas durchmachen“, betonten mehrere Teilnehmer. Sara ist über die bisherigen Ergebnisse zuversichtlich: „Die Eltern verstehen langsam aber sicher, dass ehrliche Anerkennung von Gefühlen eine Form der Stärke ist und nicht der Schwäche, und sie bauen eine kleine, aber bedeutsame Gemeinschaft der gegenseitigen Unterstützung auf.“

Den Eltern und Lehrern die Mittel an die Hand geben, auf Traumata richtig einzugehen, und den Kindern helfen, ihre Emotionen zu verstehen und zu steuern, gesunde Beziehungen aufzubauen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen – das sind die Ziele dieser Testphase des Therapieprogramms an der NES-Schule. Damit wird Resilienz gestärkt und das soziale Gefüge der ganzen Schulgemeinschaft positiv beeinflusst. Ein sicheres Lernumfeld, gesundes emotionales Bewusstsein, Stabilität, Hoffnung … all das befähigt Kinder und Erwachsene, persönliche und externe Krisen erfolgreich zu bewältigen.

Für manche ist das noch ein langer Weg – zum Beispiel für Layla*. Layla ist 12 und hat keine Eltern. Sie lebt in einer mildtätigen Einrichtung und besucht an der NES das Nachmittagsprogramm. Während der Gruppentherapie sollte sie im Rahmen eines Spiels ein Beispiel erwähnen, in welchen Situationen sie sich geliebt fühlt. Ihre Antwort: „Ich kann mich an keinen Moment erinnern, wo ich Liebe gefühlt habe.“ Sara lud sie ein, später in ihr Büro zu kommen, und so begann ein heilender Prozess: „Diese Aussage fasst alles zusammen, was Layla in sich vergraben hatte. Sie erzählte mir von schrecklichen Erfahrungen, dass sie mehrmals versucht hatte davonzulaufen, sich selbst verletzen wollte, wie schwer es ihr fällt, ihre Gefühle auszudrücken, wie allein sie sich die meiste Zeit fühlt.

Seitdem treffen wir uns regelmäßig. Wir finden Wege, wie sie ihren Schmerz ausdrücken kann; sie lernt, dass sie um Hilfe bitten darf, dass ihre Gefühle zählen, dass sie und ihre Geschichte wertvoll sind. Der Weg vor ihr ist noch holprig … aber jedes Mal, wenn sie kommt und ein wenig mehr von sich selbst mitteilt, ist es ein Schritt zur Heilung.“

Ein Schritt in Richtung Heilung – das soll auch diese Testphase des Therapieprogramms sein. Die Testphase endet mit dem laufenden Schuljahr Mitte Juni. „Die ersten Wochen haben ein klares Ergebnis gezeigt“, schlussfolgert Sara, „nämlich den dringenden Bedarf an strukturierter Unterstützung für die psychische Gesundheit der Kinder, und dass Heilung mit sicheren Räumen, offenem Dialog und den richtigen ‚Werkzeugen‘ beginnt.

Die Veränderungen, die wir schon nach kurzer Zeit beobachten können, zeigen deutlich, dass Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit sind – vor allem in Krisenzeiten. Natürlich sind wir nicht perfekt – aber wir sind fest entschlossen, jeden Tag unser Bestes zu geben, um unsere Mission als ganzheitliche Schule zu erfüllen, die Herz, Verstand und Zukunft jedes einzelnen Schülers und jeder Familie fördert.“

Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass Kinder und Familien im Libanon sich psychisch gesund entwickeln und mit neuer Hoffnung in die Zukunft blicken können, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „NES Therapieprogramm“ oder „Jahresprojekt 2025“ (zur Online-Spende).

 

*Namen zum Schutz der Privatsphäre geändert

„Teil von etwas Gutem sein“

Unser Schirmherr Dr. Tauber zu Besuch

Einen besonderen Gast durften wir am 26. Mai in unserem Büro in der Frankfurter Straße begrüßen: Gelnhäuser Stadtverordnetenvorsteher Dr. Peter Tauber traf sich mit unserem Team, um sich über neueste Entwicklungen, die strategische Ausrichtung und aktuelle Projekte von Helping Hands e.V. zu informieren.

Dr. Tauber ist seit über 10 Jahren unser Schirmherr. Beim Treffen am 26. Mai erläuterten die Mitarbeiter den geänderten Fokus in unserer Entwicklungszusammenarbeit – weg von Hilfsgüterlieferungen zu Projekten, die die Ärmsten der Armen darin unterstützen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Das Team stellte mit dem Projekt „integrative Kinderzentren“ beispielhaft dar, wie das in der Praxis aussehen kann: Dabei wird, angefangen mit ganzheitlicher Förderung für Kinder und einkommensschaffenden Maßnahmen für Eltern, ein gesamtes Dorf nachhaltig verändert und Bewusstsein dafür geschaffen, wie ein ganzer Ort sich selbstverantwortlich für eine stabile Zukunft und ein positives Miteinander einsetzen kann.

„Ich freue mich, dass ich die Arbeit von Helping Hands weiter ehrenamtlich und ideell unterstützen darf“, bekräftige Dr. Tauber nach dem Treffen, in dem er das Team auch durch viel konstruktives Feedback ermutigte und herausforderte. „Es fühlt sich toll an, Teil von etwas Gutem zu sein. Und Helping Hands ist weiter so engagiert und begleitet so viele wertvolle Projekte, dass es immer wieder Neues zu entdecken gilt.“

„Jeden Tag aufs Neue Wunder“ oder „Andriy und die Gitarre“

Kinderheim Mistoditey schenkt seit letztem Sommer wieder in Kiew Kindern einen Zufluchtsort und eine Zukunft

Als Anastasiya* vom Sozialamt in einem Krankenhaus gefunden wurde, war sie schon über einen Monat allein – keiner hatte je nach ihr gefragt. In „Mistoditey“ fand die Sechsjährige ein neues Zuhause und die Zuneigung, nach der sie sich sehnt.

Die Brüder Viktor* (11) und Borys* (7) lebten auf einer Müllkippe, in verheerenden Umständen, ohne Wärme, Zuflucht, grundlegendste Fürsorge. All das erhalten sie nun in Mistoditey.

Der zwölfjährige Andriy* kannte nur instabile Verhältnisse, daher hatte er jegliches Vertrauen in andere und sich selbst verloren und konnte kaum kommunizieren. In Mistoditey durfte er einen neuen Anfang machen.

Vier Schicksale unter Tausenden, denen derzeit in der Ukraine das Nötigste für eine sichere Kindheit fehlt. Vier wertvolle Kinder, die seit Juli 2024 im Heim „Mistoditey“ in Kiew einen Zufluchtsort und eine neue Heimat gefunden haben. Erst seit letztem Sommer ist das wieder möglich – denn nach Kriegsbeginn musste das Heim selbst Zuflucht suchen, die die damals zwanzig Kinder mit zehn Mitarbeitern im Lindenhof bei Aschaffenburg fanden. Über zwei Jahre engagierten sich dutzende ehrenamtliche Helfer in Kahl, Alzenau und aus ganz Deutschland, um den Kindern und Erwachsenen eine Heimat fern der Heimat zu schenken.

Nachdem im vergangenen Sommer dann alle Kinder entweder in ihre Familien zurückgekehrt oder neue Familien gefunden hatten, entschied die Leitung von Mistoditey sich, der Bitte der ukrainischen Behörden zu folgen und die Arbeit direkt in Kiew wieder aufzunehmen – denn aufgrund des Krieges ist die Not größer als je zuvor! Durch die treue Unterstützung zahlreicher Spender für das „Lindenhof-Projekt“ wurde der Neubeginn in Kiew zur Realität. Liliya, die Leiterin, betont:

„Dank eurer Unterstützung konnten wir nicht nur trotz des Krieges die Arbeit im Heim wieder beginnen und neue Kinder aufnehmen, sondern ihnen auch ein echtes Zuhause bieten. Ihr leistet nicht nur materielle Hilfe: Dank eurer Unterstützung wissen ukrainische Kinder, dass sie nicht allein auf der Welt sind. Jeder Euro gibt ihnen den Glauben an das Gute zurück, schenkt ihnen eine Kindheit, von der sie geträumt haben, und schafft Stabilität in den unsichersten Zeiten.“

Anastasiya und Andriy, Viktor und Borys sind vier der jeweils bis zu 15 Kinder, die in Mistoditey die Chance für einen Neubeginn erhalten. Das Heim kümmert sich umfassend um ihre grundlegenden Bedürfnisse – ausgewogene Mahlzeiten mit Milch- und Fleischprodukten, frischem Obst und Gemüse, ausreichende Wärme auch in der Winterzeit, grundlegende Gesundheitsfürsorge wie Zahnarztbesuche sowie spezielle Behandlung bei chronischen Erkrankungen. Dadurch haben sich Gewicht und Essgewohnheiten aller Kinder stabilisiert.

„Jeder Aspekt ihres Wohlbefindens ist ein Zeugnis eures Engagements“, berichtet Liliya. „Dank eurer Hilfe können wir Lebensmittel, Nebenkosten, Pflege und alle anderen grundlegenden Bedürfnisse bezahlen. Eure Spende ist nicht einfach Geld – es ist tägliche Wärme, Nahrung, Licht, Trost, Fürsorge. Es ist Leben – erfüllt von Sinn und Hoffnung.“

Mistoditey kümmert sich aber nicht nur um die Grundbedürfnisse, auch die kognitive und psychische Entwicklung der Kinder wird maßgeblich gefördert. Jedes Kind nimmt an einem auf ihn oder sie zugeschnittenen Therapieprogramm teil. Das Heim kooperiert mit inklusiven Einrichtungen, sodass alle Kinder eine qualitativ hochwertige Schulbildung erhalten. Mithilfe von Ehrenamtlichen bietet das Heim eine Vielzahl von Kreativ-Workshops an – zum Beispiel Kunst und Musik, Gedichte und Geschichten, Tanz und Töpferei. Außerdem wird gemeinsam gespielt, gekocht und saubergemacht, Geburtstage besonders gestaltet und Erfolge gefeiert.

Alles Dinge, die in funktionierenden Familien eigentlich selbstverständlich sind … für die Kinder in Mistoditey ist es das, wovon sie schon immer geträumt haben: eine normale Kindheit, ein stabiles Zuhause, Liebe, Fürsorge und Aufmerksamkeit. Und den Unterschied kann man sehen!

Anastasiya hat herausgefunden, dass sie Geschichten liebt – und nicht nur die, die sie in den Büchern lesen kann! Jetzt setzt sich das vorher schüchterne, zurückgezogene Mädchen gerne zu ihren „Geschwistern“, liest den jüngeren vor und schafft mit viel Phantasie ihre eigenen Geschichten, die sie mit Begeisterung erzählt. Ihre Stimme, voller Wärme und Freude, ist ein Symbol ihrer Heilung geworden.

Viktor hat sich unglaublich entwickelt, seit er nicht  mehr auf der Müllkippe ums Überleben kämpft. Er ist ruhig und höflich, der Beste in seiner Klasse, gewinnt Preise und zeigt ein außerordentliches Talent im Zeichnen und Töpfern. Auch darin macht Mistoditey einen riesigen Unterschied: Es stellt das Selbstwertgefühl der Kinder wieder her und hilft ihnen, die Gaben zu entdecken, die schon immer in ihnen steckten.

Das gilt auch für Andriy. Verschlossen, verunsichert – so kam er ins Heim. Doch von Anfang an hörte er ganz genau hin, wenn jemand Gitarre spielte. Der Musiklehrer ermutigte ihn, es mal selbst auszuprobieren. Welch eine Veränderung! Jetzt musiziert Andriy ständig, komponiert eigene Melodien, leitet das Musikteam und hilft den anderen Kindern im Musikunterricht. „Wenn ich spiele“, sagt er, „dann fühle ich mich stark. Die Gitarre ist wie meine Stimme; durch die Musik kann ich Dinge ausdrücken, die ich mit Worten nicht sagen kann.“ Jetzt träumt Andriy davon, Musiker zu werden. Sein Selbstvertrauen ist gewachsen, und seine Erfolge inspirieren andere Kinder, ihre Ängste zu überwinden.

Als Andriy im März in eine andere Einrichtung wechselte, wo auch seine berufliche Bildung gefördert wird, schrieb er an jeden einzelnen Mitarbeiter einen ausführlichen Brief, in dem er sein Herz öffnete und erzählte, wie er sich durch Mistoditey verändert hatte – wie ein einst verschlossener, trauriger Junge zu einem offenen, liebenswürdigen, mit Dankbarkeit erfüllten Menschen wurde.

Das sind Geschichten, die „nachhaltiger Veränderung“ ein Gesicht geben – aber es sind eben nicht nur Geschichten, sondern wertvolle Kinder, die nun eine Heimat und eine Zukunft haben:

„Wir sind so dankbar für eure Unterstützung! Dank euch ist unser Zentrum zu einem Ort geworden, an dem Kinder ihr Leben wieder aufbauen, neue Möglichkeiten entdecken und wieder zu träumen beginnen. Gemeinsam mit euch bewirken wir jeden Tag aufs Neue Wunder!“

 

Vor Kriegsbeginn finanzierte sich Mistoditey vollständig aus lokalen Spenden. Seit Herbst 2024 konnten wir das Heim aus Spenden fürs Lindenhof-Projekt in ihren monatlichen Ausgaben unterstützen. Da lokale Unterstützer aufgrund der derzeitigen Situation inzwischen fast alle die Förderung einstellen mussten, ist der weitere Betrieb des Zentrums über die Jahresmitte hinaus sehr fraglich. Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass traumatisierte und heimatlose Kinder in der Ukraine weiterhin einen Zufluchtsort bei Mistoditey finden können, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Mistoditey“ oder „Lindenhof“ (zur Online-Spende).

* Namen zum Schutz der Privatsphäre geändert

Jeder Stift ein Baum für die Zukunft

Klimawandel-Projekt in Bangladesch schafft weitreichende nachhaltige Veränderung

Wer Shawpna einmal begegnet ist, vergisst sie nicht so schnell wieder. Die junge Frau aus Mongla im südwestlichen Bangladesch ist nicht nur selbstbewusst, intelligent und attraktiv – sie besitzt auch eine Ausstrahlung, in der ihre bunte Umwelt noch klarer aufleuchtet, eine Präsenz, die einen innehalten lässt. Wenn sie lächelt, fühlt man sich wie sehnlichst vermisste, geliebte Geschwister, und in ihrer ärmlichen Hütte heißt sie Besucher willkommen wie in einem Palast.

Dabei ist Shawpnas Heimat alles andere als ein prächtiges Reich. Immer heftigere Wirbelstürme bedrohen Leben und Besitz der verarmten Bewohner; der Fluss schwemmt aus der bengalischen Bucht nicht nur den Müll des Planeten an, sondern auch immer mehr Salzwasser, das Acker unfruchtbar macht. Auf dem Rückweg reißen die Fluten meterweise Flussufer mit; auch die Sundarban, der größte Mangrovenwald der Welt, kann diesem Angriff nicht ewig trotzen.

Doch Shawpna und ihre Nachbarn haben im Projekt gelernt*, wie sie den Herausforderungen begegnen können. Die Hütte errichten sie höher und binden sie mit Seilen an Bäumen fest, damit der Sturm sie nicht wegreißt. Gegen die Versalzung des Bodens hilft natürlicher Kompost; durch Umstellung auf salzresistentere Pflanzen und Meeresfrüchte oder alternative Erwerbsmöglichkeiten kann das Einkommen gesichert werden.

Auch Shawpna und ihr Bruder setzen diese Maßnahmen bedachtsam um. Doch vor einigen Monaten hatte der Bruder einen Unfall. Dadurch ist Shawpna nun die einzige, die ein Einkommen verdient, um für die betagten Eltern zu sorgen. Ein Projektmitarbeiter vermittelte ihr einen Job, in dem sie für eine andere NRO Studien durchführt. Das ging so lange gut, bis aufgrund der politischen Veränderungen in den USA die Gelder gestoppt wurden und Shawpna ihren Job verlor.

Aber davon ließ die junge Frau sich nicht unterkriegen! Im Dezember hatte sie an einem Bürgerprogramm teilgenommen und wurde auf jemand aufmerksam, der einen Papierstift benutzte. Das brachte sie auf eine neue Geschäftsidee, die gleich mehrere Lösungsansätze bietet: ein Einkommen für sie und andere, eine sauberere Umwelt, nachhaltige Veränderung durch gemeinsames Engagement.

Diese Idee verfolgte sie, schaute sich auf YouTube an, wie man Papierstifte herstellt, kontaktierte NROs, Schulen und Unternehmen, um sich gleich einen kleinen Markt zu schaffen, und begann ihre „Paper-Pen Business“. Das Design erstellt sie in einem Internet-Café in der Stadt und druckt es in einem Copyshop, kauft die Kuli-Minen und rollt zuhause das Papier zu Stiften; 100 Stück schafft sie in etwa fünf Stunden.

Das ist nicht nur eine clevere Geschäftsidee, weil NROs diese Papierstifte toll finden. Shawpna möchte auch tatsächlich einen Unterschied für ihre Umwelt machen. Dafür verkauft sie nicht nur an NROs oder Unternehmen, sondern auch auf dem lokalen Markt. 6 Taka kostet dort ein Plastikkuli, daher verkauft Shawpna ihren Papierkuli ebenfalls für 6 Taka, auch wenn sie dann nur 2 Taka Profit macht. Auf den Stift druckt sie Slogans wie „Schützt die Umwelt“ oder „Vermeidet Plastik – rettet die Sundarban“.

„Ich möchte mich dafür einsetzen, dass der Müll in unseren Flüssen und Teichen abnimmt“, betont sie. „Um die Fische zu schützen – Fische sind unser Lebensunterhalt – und auch die Sundarban.“

Dafür hat sie noch andere Ideen: Zum Beispiel plant sie, preiswerte aber robuste Stofftaschen herzustellen und für den gleichen Preis anzubieten wie die Kunststofftaschen, die man derzeit noch auf dem Markt erhält. Da die Stofftaschen länger halten, ist Shawpna überzeugt, dass sie auch so einen nachhaltigen Unterschied für die Umwelt machen kann, auch wenn ihr Profit dann etwas geringer ausfällt.

Doch nicht nur die Umwelt liegt Shawpna am Herzen. Auch für ihre Nachbarn, für ihre ganze Dorfgemeinschaft möchte sie sich einsetzen.

„Ich hoffe, dass mein Papierstifte-Unternehmen gut läuft, damit ich noch ein paar Frauen dafür einstellen kann“, erklärt sie. „Auch die Stofftaschen machen wir dann gemeinsam. Es ist viel besser, wenn wir ein Team sind und uns die Arbeit teilen.“

In ihrer Selbsthilfegruppe ist Shawpna die Erste Vorsitzende. Auch dort hat sie schon viel bewegt; u.a. haben sich unter ihrer Initiative drei Gruppen zusammengeschlossen – „um uns gegenseitig zu motivieren, nachhaltiger zu sein, voneinander zu lernen, und weil wir uns einfach mögen“, erklären die Frauen. Zusätzlich zu ihren diversen individuellen Kleinstgewerben – zum Beispiel Ziegenzucht, Teestuben oder traditioneller Schmuck – haben die Frauen der drei Gruppen ein gemeinsames Unternehmen für Handarbeiten gegründet und sich einen Markt aufgebaut, „damit wir unabhängig sein können!“

Shawpna ist hier eine treibende Kraft, die ihre Nachbarinnen immer wieder zusammenbringt und motiviert und auch Chancen und Erfolge nicht für sich behält, sondern mit den anderen Frauen teilt. Ihre Zuversicht und Innovation gibt der Gruppe auch eine Zukunft, denn nur mit festem Zusammenhalt können die Frauen sich in ihrem männlich-dominanten Umfeld durchsetzen.

„Im Projekt habe ich eine Menge Schulungen besucht und viel gelernt, sodass ich jetzt in der Lage bin, uns als Gruppe zu vertreten – unsere Rechte einzufordern, unsere Stimme zu erheben, neue Ressourcen zu finden. Nach Abschluss des Projekts werde ich mich darum bemühen, von verschiedenen Regierungsministerien und gleichgesinnten NROs Unterstützung zu erhalten, damit wir so unsere Gruppe langfristig weiterführen können.“

Vor kurzem hat Shawpna ihr Studium in Sozialwissenschaft erfolgreich abgeschlossen. Aber das, was sie braucht, um die positiven Veränderungen in ihrer Dorfgemeinschaft langfristig aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln, hat sie im Projekt gelernt: „Wir haben so viel Wissen und Kenntnisse von euch erhalten – und wir sind jetzt alle sehr selbstbewusst und zuversichtlich!“, betont sie. Vor allem für die Schulungen zum Klimawandel bzw. Klimaschutz ist sie dankbar, „denn jetzt habe ich selbst die Initiative ergriffen, und ohne die Schulungen hätte ich das nicht gewusst.“

Auf die Bemerkung, dass ihr Einsatz für den lokalen Umweltschutz ja auch Auswirkungen für den Rest des Planeten hat, lacht die junge Frau fröhlich: denn in ihren Papierstiften ist ein Geheimnis versteckt.

„In jeden Papierstift rolle ich ein kleines Samenkorn mit ein. Wenn der Stift dann leer ist und weggeworfen wird, wächst ein großer Baum daraus.“

Jeder Stift ein Baum für die Zukunft – Shawpnas Zukunft und die ihrer Familie, ihres Dorfes, ihres weiteren Umfelds … aber auch unsere Zukunft und die unseres Planeten.

Denn Zukunft gestalten, das geht nur gemeinsam.

 

* Das Projekt zur „Klimawandel-Adaption und Katastrophenrisikominderung“ in Mongla, Bangladesch begann im Herbst 2021 und läuft noch bis Ende April 2025. Ein kurzes Erklär-Video zu diesem Projekt finden Sie hier.

Der Schein trügt nicht

Klare Erfolge im Dorfentwicklungsprojekt in Khotang, Nepal

Wie auf einer Postkarte thront das aus hellem Stein erbaute Haus auf seiner Hügelkuppe, inmitten eines Meeres aus grünen Feldern, dahinter die blauen Bergrücken. So richtig idyllisch sieht es aus, als ob es für einen Reiseführer posiert. Aber ob der Schein trügt?

Vor drei Jahren hätte Khamraj, der das Häuschen aus lokal gesammelten Steinen selbst erbaut hat, diesen Eindruck wohl schnell berichtigt. Mit elf Personen im Haushalt – Großeltern, Eltern, vier Kinder und Bruder mit Schwägerin – und so wenig Ernte, dass der Ertrag für kaum vier Monate im Jahr reichte, hieß es immer wieder: hungern, oder noch einen weiteren Kredit zu hohem Zinssatz aufnehmen.

Aber heute ist das alles anders. Nach drei Jahren Schulungen und Input durch unser Projekt hat sich Khamraj eine richtige kleine Farm aufgebaut. Dazu gehören Kühe, Ziegen, Schweine und Hühner, alle in ordentlichen Ställen und gut gezüchtet. Ein eingezäunter Garten liefert Gemüse für die Familie, auf den Feldern wachsen grüne Bohnen, die für einen sehr guten Preis verkauft werden können. Zusätzlich verdient er noch ein Einkommen durch Holzschneiden.

„Es ist ein riesiger Unterschied zu vorher!“, betont Khamraj. „Vier Ziegen habe ich vom Projekt bekommen, jetzt habe ich acht. Durch den Verkauf kann ich meine Schweinezucht vergrößern. Eine Hühnerfarm will ich auch aufbauen. Es hat sich wirklich viel verändert! Vor allem weiß ich jetzt, wie ich Viehzucht, Ackerbau und andere Einkommensaktivitäten selber weiterentwickeln kann. Das habe ich alles durchs Projekt gelernt!“

Sorgsam erbaute Ställe, perfekt angelegte Gärten und Felder, ein sauberer Hof mit Hygiene-Station und ordentlichem Toilettenhäuschen, zur Krönung noch ein paar Blümchen – so richtig verheißungsvoll sieht es aus. Und der Schein trügt nicht!

Das umfassende Dorfentwicklungsprojekt im Bezirk Khotang, Nepal, begann im Herbst 2021 und läuft noch bis Ende April 2025. Es ist begeisternd zu sehen, was sich gerade auch im letzten Jahr dort alles verändert hat! Die 200 Projekt-Familien haben eine ganz neue Perspektive auf ihren Alltag und ihre Zukunft entwickelt. Noch vor kurzer Zeit mussten sie auch für alltägliche Ausgaben Kredite mit hohem Zinssatz aufnehmen und hatten keine rechte Vorstellung davon, wie sie ihre Viehzucht, den Ackerbau oder Kleinsthandel wie einen Dorfladen durch sinnvolle Investitionen weiterentwickeln können.

Aber jetzt haben Khamraj und seine Nachbarn klare Pläne und Ziele. Sie wissen, wie sie ihre Unternehmen selbst kontinuierlich verbessern und aufbauen können. Die alltäglichen Dinge können sie sich jetzt leisten; sogar für die weiterführende Bildung ihrer Kinder können die meisten etwas zurücklegen. Wenn sie einen Kredit brauchen, holen sie sich den zu einem angemessenen Zinssatz aus ihrer Selbsthilfegruppe. Das hat dazu geführt, dass es inzwischen in diesem Gebiet von Khotang keine Kredithaie bzw. Institutionen mit schlechtem Zinssatz mehr gibt!

Und auch wenn die finanzielle Förderung durchs Projekt zu Ende ist, geht es in Khotang weiter. Im Herbst 2024 haben die Projekt-Familien eine Kooperative gegründet, die große Ziele hat. Unter anderem sind die Mitglieder bereits dabei, ein funktionierendes Marktsystem aufzubauen, sodass die Haushalte nicht nur genug produzieren, sondern ihren Ertrag auch für angemessene Preise verkaufen können.

„Durch den Verkauf ihrer Produkte wird sich jeder Haushalt selbst versorgen können – alle werden so sein“, erklärt einer der Männer im Leitungsgremium bei ihrem ersten Treffen. Voll Zuversicht sind die Frauen und Männer, dass sie auch nach Projektende die Maßnahmen selbstverantwortlich weiterführen werden. „Gemeinsam schaffen wir das! Auch wenn wir nicht wissen, was die Zukunft für uns bereithält – gemeinsam können wir die Herausforderungen bewältigen und uns weiterentwickeln.“

paXan 2025 reist nach Südafrika

GESUCHT: Alle 18- bis 30-Jährigen, die sich an einem tollen Projekt beteiligen und dafür in die südliche Hemisphäre reisen möchten!

Der diesjährige paXan-Einsatz für junge Erwachsene wird wieder geleitet von David Hedert & Dorli Gschwandtner und ist für die ersten zwei Septemberwochen geplant. Kosten vor Ort: 225 Euro, plus Flugkosten.

Als Projekt werden wir uns in unserem allerneuesten integrativen Kinderzentrum „Bonani“ im ländlichen Ostkap Südafrikas engagieren:

Südafrika, das heißt für viele: Urlaub, Sonne, Safari … Für die meisten Kinder im Dorf Khalinyanga bei Engcobo hieß es bisher: Hunger, Armut, Missbrauch, früher Kontakt mit Drogen, kaum Chancen auf eine Zukunft. Aber das ändert sich jetzt! Seit unser Partner dort das Kinderzentrum „Bonani“ gegründet hat, haben die Kids einen Zufluchtsort, wo sie wirklich wertgeschätzt werden und alles lernen, was sie für eine erfolgreiche Zukunft brauchen. An diesem tollen Projekt wollen wir mitwirken!  Als handwerkliches Projekt stehen (je nach Zeit und Teamgröße) ein neuer Klassenraum, ein Küchengebäude und ggf. ein Spielplatz an. Außerdem wollen wir auch die Kinder und ihre Familien kennenlernen und mit den Jugendlichen Zeit verbringen.

Es gibt viel zu tun und viele tolle Menschen kennenzulernen – dafür brauchen wir dich!!!

Alle nötigen Infos gibt es auf der paXan-Seite. Anmeldeformular über paXan@helpinghandsev.org.

Optional: 3 Tage Team-Urlaub in Kapstadt (im Datum inbegriffen; in Kosten nicht inbegriffen)

Unser Jahresprojekt 2025

In der „Oase des Friedens“ – gemeinsam wachsen und Heilung erleben (Libanon)

Seit fünf Jahren jagt im Libanon eine Krise die andere – Revolution, Zusammenbruch der Wirtschaft, Pandemie, verheerende Hafenexplosion, Erdbeben … und nun noch der Krieg. Durch all diese Krisen hindurch ist die NES-Schule in Beirut eine „Oase des Friedens“ geblieben und bietet Hunderten von Kindern einen Zufluchtsort, die sonst gar keine Schulbildung bekämen. Doch die Krisen hinterlassen auch tiefe Wunden und verzögern oder verhindern die gesunde Entwicklung der Kinder.

Deshalb hat das NES-Team ein umfassendes Therapie-Programm erarbeitet, das für die Kinder Sprachförderung, Trauma-Beratung und Prävention anbietet und zusätzlich Eltern und Lehrer in umfassenden Schulungen dazu ausrüstet, die Kinder auf dem Weg der Erneuerung zu begleiten. Ziel ist, dass die Kinder und ihre Familien durch die Krisen gemeinsam wachsen und Heilung erleben und so die Resilienz entwickeln, künftigen Herausforderungen mit Zuversicht zu begegnen und gestärkt daraus hervorzugehen.

Für das Jahresprojekt 2025 streben wir einen Betrag von mindestens 50.000 Euro an.

Weitere Informationen und regelmäßige Updates gibt es auf der Seite zum Jahresprojekt.