„Es ist eine riesige Verantwortung“

Team der NES-Schule in Beirut reflektiert über erste Schulwoche

„Ich bin so glücklich, dass ich wieder in der Schule sein kann!“ Der Fünftklässlerin Jenny* kann man die Begeisterung anhören, als am 8. Oktober an der NES-Schule in Beirut wieder der Unterricht beginnt. „Ich hab die Schule ja schon früher gemocht, aber jetzt – jetzt liebe ich sie! Das Internet ist im Libanon so schlecht, da lernt man online einfach nichts. Und hier kann ich alle meine Freunde sehn, und neue kennenlernen! Ich bin ja so froh, dass die Schule wieder offen ist!“

Tägliche Angriffe, Bombeneinschläge die gesamte Nacht hindurch … da ist jeder neue Schultag ein kleines Wunder. Inzwischen konnten alle Klassen mit dem neuen Schuljahr beginnen. Dabei gehörte zum Programm der ersten Tage nicht nur die fröhlichen „Back-to-School“ Aktivitäten, sondern auch ernstere Themen. Zum Beispiel besuchte die Psychotherapeutin der Schule jede Klasse einzeln und sprach darüber, wie man mit schwierigen Zeiten und Stress umgehen kann, ohne dass es in Trauma umschlägt, lehrte gesunde Bewältigungsstrategien und bot den Schülern einen sicheren Raum, um ihre Gefühle auszudrücken. „Ziel ist es, dass die Kinder den richtigen Fokus behalten können und die nötigen Widerstandskräfte aufbauen, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern und gestärkt daraus hervorzugehen“, erklärt Schulleiterin Marlene M.

Eine ganze Woche schon hat das NES-Team durchgehalten, die „alten“ Schüler willkommen geheißen, neue Schüler integriert und Kind-um-Kind Lösungen in ihren individuellen familiären Herausforderungen gesucht. Aber das NES-Team ist sich auch des Risikos bewusst:

„Es ist eine riesige Verantwortung, die Kinder hier zu haben“, betont Josette M., die an der NES-Schule für das soziale und emotionale Wohlbefinden der Kinder verantwortlich ist. „Ich bin froh um jeden Tag, an dem die Kinder nach Hause gehen, ohne dass wir von Bomben und Luftangriffen unterbrochen wurden.

Natürlich mache ich mir Sorgen um die Kinder! Die meisten haben in den Angriffen geliebte Menschen verloren, oder haben zumindest Verwandte, die verletzt wurden. Ich kann den Schmerz in ihren Augen sehen, die Trauer, die Angst … Alles ist voller Traurigkeit, überall.

Aber trotzdem – ich bin so dankbar, dass wir die Schule öffnen konnten! Es ist wie eine Oase für die Kinder. Hier können sie lernen und spielen und Freude im Alltag finden und die schrecklichen Kriegsnachrichten eine Weile vergessen.“

Deshalb arbeitet das NES-Team weiterhin unermüdlich daran, so viele Kinder wie möglich in dieser „Oase“ willkommen zu heißen. Wenn Sie dabei mithelfen möchten, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Libanon“ oder „NES Studienfond“ (zur Online-Spende).

Weitere Infos zur NES-Schule bzw. dem Studienfond finden Sie auf dieser Seite.

 

* Name geändert

Schule im Libanon nimmt Unterricht wieder auf

Ein Schulhof voller Kinder die lachen und lärmen, Körbe werfen, Tore schießen oder ihr Pausenbrot genießen, in der Ecke tuscheln oder schnell die letzte Hausaufgabe erledigen – so sollte der Alltag in der NES-Schule in Beirut aussehen. Und das ist ab heute wieder Realität!

Trotz der extrem angespannten Lage im Libanon hat sich unser Partner vor Ort entschlossen, den Unterricht wieder aufzunehmen. Vorerst für die Klassen 4 bis 9; im Laufe der Woche kommen Kindergarten und der Rest der Grundschule dazu, und nächste Woche kann hoffentlich das STEP-Nachmittagsprogramm beginnen.

Seit zehn Jahren werden in diesem Programm Kinder unterrichtet, deren Familien vor einem anderen Krieg flüchten mussten. „Aber ein paar der syrischen Familien sind jetzt in die Heimat zurückgekehrt“, berichtet Schulleiterin Marlene. „Wir wollen so viele geflüchtete Kinder wie möglich im Nachmittagsprogramm aufnehmen, Kinder aus den Flüchtlingsunterkünften oder die bei Verwandten untergekommen sind, und sie hier unterrichten – sonst sitzen sie alle nur rum und haben nichts zu tun und verpassen ihre Bildung.“

Das alles ist eine große Herausforderung – aber die NES ist auf Herausforderungen gut vorbereitet. „Unsere Psychotherapeutin lehrt die Kinder, wie sie mit ihrer Angst zurechtkommen und wie sie reagieren sollen, wenn sie die Bomben hören. Alle unsere Lehrer haben gestern an einer speziellen Schulung vom Roten Kreuz teilgenommen. Wir machen auch Evakuierungsübungen mit den Kindern, sodass alle im Notfall genau wissen, was zu tun ist. Und wir prüfen für jedes Kind individuell, was wir tun können, um ihnen am besten zu helfen.“

Natürlich ist die Angst allgegenwärtig; jede Nacht wird vom Bombenlärm zerrissen, oft bis 4 oder 5 Uhr morgens. Aber das hält die Familien der NES nicht davon ab, ihren Nachbarn zu helfen. Eltern und Kinder sammeln Kleider, Schuhe und Matratzen für geflüchtete Familien, helfen dabei, Essenspakete und warme Mahlzeiten auf den Straßen zu verteilen und Hygienematerial weiterzugeben.

Leider wächst auch unter den „regulären“ NES-Familien die Not. „In vielen unserer Familien hat der Vater durch die Bombenangriffe den Job verloren“, erklärt Marlene. „Sie bekommen keinen Pfennig mehr. Einige sind zu uns gekommen und wollten ihre Kinder aus der Schule nehmen, weil sie kein Schulgeld bezahlen können, aber wir haben ihnen gesagt, ihre Kinder sollen bleiben! Gestern sagte ein Vater zu uns, ‚wisst ihr, wir haben nicht einmal Brot‘. Deshalb helfen wir auch mit Essenspaketen.“

Wenn in der NES-Schule die Pause vorüber ist, herrscht wieder Stille auf dem Schulhof. Eine trügerische Stille? Nein – denn die Klassenzimmer sind voller Leben. Voller Kinder, die leben und lernen wollen, und für die jeder neue Schultag ein Geschenk ist.

 

Wenn Sie mithelfen möchten, dass Kinder im Libanon auch in dieser Kriegssituation weiterhin Bildung erhalten und einen Zufluchtsort haben, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Libanon“ oder „NES Studienfond“ (zur Online-Spende).

Weitere Infos zur NES-Schule bzw. dem Studienfond finden Sie auf dieser Seite.

„Dort ist nichts mehr, nichts!“

Krieg im Libanon betrifft auch NES-Schule in Beirut

„Die aktuelle Lage … es ist einfach nur verrückt. Wir wissen nicht, wie das noch weitergeht!“

Mitte September ist die Zeit, an der die NES-Schule in Beirut das neue Schuljahr beginnt. Auch in Krisenzeiten, trotz der Unsicherheit – ob Revolution, Pandemie, Wirtschaftskrise oder Erdbeben. Auch in diesem Jahr, der Furcht zum Trotz. Ganze vier Tage konnte Unterricht stattfinden. Dann begann die Bombardierung der libanesischen Hauptstadt.

„Es ist wie im Erdbeben“, berichtet Marlene, Schulleiterin der NES. „Unvorstellbar! In Dahiyeh, entlang der Straße zum Flughafen, sind die Gebäude dem Erdboden gleichgemacht. Und im Süden, die Dörfer – die christlichen genauso wie die muslimischen – sind alle völlig zerstört, dort ist nichts mehr, nichts!“

In nur wenigen Tagen sind tausende Zivilisten getötet worden, darunter Hunderte von Kindern; über eine Million mussten bereits fliehen, das sind 20% der Bevölkerung. Viele kommen bei Verwandten unter, andere finden in den staatlichen Schulen eine Unterkunft – wenn sie Glück haben.

„Tausende von Menschen sind auf der Straße, leben in ihren Autos. Und die Syrer, sie werden in den staatlichen Unterkünften abgewiesen und haben keine andere Wahl, als auf der Straße zu schlafen, es bricht einem wirklich das Herz! Und jetzt wird es Herbst, es fängt an zu regnen. Deshalb verteilen wir jeden Tag warme Mahlzeiten an die Familien auf den Straßen. Wir haben auch Matratzen und Kissen verteilt an die Familien, die Verwandte aufgenommen haben, oft zwei oder drei Familien; da leben jetzt teilweise 15 bis 20 Personen in einer kleinen Wohnung.“

Aber über aller Hilfsbereitschaft schwebt unaufhörlich die Angst. Die schreckliche Furcht, dass die Geflüchteten vielleicht der Hisbollah angehören und man damit selbst Zielscheibe der nächsten Bombardierung wird. Auf diese Art wurden schon Hunderte von Unbeteiligten zu Opfern. Daher trauen die meisten Menschen sich nicht, Fremden eine Zuflucht zu bieten.

„Es ist eine sehr kritische Zeit. Es ist wirklich sehr, sehr gefährlich. Wir müssen sehr weise sein. Natürlich helfen wir, so viel wir können, wie auch immer wir können.“

Und da hat die NES-Schule schon einen Plan: Im „STEP“ Nachmittagsprogramm sollen möglichst viele Kinder aus den Flüchtlingsunterkünften aufgenommen werden. „Damit ihre Bildung nicht so lange unterbrochen wird“, erklärt Marlene. „Denn selbst wenn es einen Waffenstillstand gibt, können diese Familien erst in vielen Monaten die Flüchtlingsunterkünfte verlassen, denn sie haben keine Häuser mehr, in ihren Dörfern ist ja alles dem Erdboden gleich, da ist nichts mehr übrig.“

Bisher ist zwar noch nicht klar, wann die Schulen wieder öffnen dürfen. Aber sobald vom Bildungsministerium die Erlaubnis kommt, ist die NES bereit:

„Wir überlegen, in zwei Schichten zu öffnen. Es ist zu riskant, 360 Kinder auf einmal in der Schule zu haben. Aber wenn wir in zwei Schichten unterrichten, dann sind es nur die Hälfte Kinder, wenn dann etwas passiert, können wir schnell genug evakuieren.“

Eine Herausforderung bleibt: In dieser Situation ist keine Familie in der Lage, auch nur einen geringen Betrag fürs Schulgeld zu bezahlen – vor allem nicht die Familien, die noch für ein Dutzend geflüchtete Verwandte alle Ausgaben begleichen müssen, und schon gar nicht die geflüchteten Familien selbst. Noch weiß die Schulleiterin nicht, wie sie Ende des Monats die Gehälter der Lehrer bezahlen soll. Aber weder für sie noch für das restliche Personal an der NES ist das ein Grund, aufzugeben oder die Hoffnung zu verlieren.

„Das ist eins, was wir tun können: Bildung anbieten; unsere Schule tagsüber öffnen und Kindern die Möglichkeit zum Lernen geben.“

Und weiterhin, auch in dieser neuen Katastrophe, eine Oase des Friedens sein.

 

Wenn Sie mithelfen möchten, dass Kinder im Libanon auch in dieser Kriegssituation weiterhin Bildung erhalten und einen Zufluchtsort haben, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Libanon“ oder „NES Studienfond“ (zur Online-Spende).

paXan 2024 Rumänien: „Team Impreuna“

Am Ende wurde es dann noch ein Wettlauf mit dem Wetter – dabei hatte es so sommerlich begonnen: Bei strahlendem Sonnenschein und voll motiviert schuftete das paXan-Team Anfang September auf dem Grundstück unseres Partners in Sighişoara, Rumänien, dem Sozialwerk Veritas. Schon gleich bei Ankunft war sichtbar, dass das „Casa Impreuna“, in dem täglich etwa 40 bis 50 Klienten von Veritas an Programmen teilnehmen, dringend eine neue Außenfassade brauchte.

Also machten die fünf Teilnehmer des paXan-Teams sich sofort an die Arbeit: Die Wand wurde von Schmutz und losem Mauerwerk befreit, dann grundiert, alle Löcher geflickt und eine gleichmäßige Oberfläche erstellt, und schließlich mit grüner Farbe überstrichen. Der zweite Anstrich fand dann zwar immer noch voll motiviert statt, dafür aber etwas unter Zeitdruck, damit die Farbe vor dem angekündigten Regen am letzten Einsatztag noch trocknen konnte.

Nebenher wurde ein zweites Projekt in Angriff genommen und noch rechtzeitig fertiggestellt: Das marode Geländer einer Dachterrasse musste ausgetauscht werden. Ganze 153 Latten wurden in liebevoller Schleif-, Schneid- und Schmirgelarbeit hergestellt und doppelt lackiert; auch die Metallverstrebungen erhielten einen neuen Anstrich. Die Terrasse bildet nun einen sicheren Ort, an dem Programme für Kinder und Jugendliche durchgeführt werden können.

Zum Schluss blieb dann auch noch Zeit für Gemeinschaft mit den Klienten von Veritas: Beim gemeinsamen Murmelbahn-Bauen im „Casa Impreuna“ hatten die Senioren und Menschen mit Behinderung besonders viel Spaß.

„Impreuna“, das heißt: „gemeinsam“. Gemeinsam verbringen die Klienten von Veritas hier ihre Tage – anstatt alleine daheim und in Isolation, wie so viele andere ältere und beeinträchtige Menschen hier.

„Gemeinsam“, das beschreibt auch das tolle Team von Veritas, die sich seit vielen Jahren mit beeindruckender Hingabe um bedürftige Kinder und Jugendliche, Senioren und Menschen mit Behinderung in Sighişoara und Umgebung kümmern.

Und „gemeinsam“, das ist eben auch, was ein paXan-Team ausmacht: gemeinsam anpacken, gemeinsam lernen, ein nachhaltiges Projekt umsetzen, Wertschätzung schenken. Und das ist es wohl, was von diesem paXan-Einsatz am längsten bleiben wird: nicht die Erinnerung an den Wetter-Wettlauf, sondern die tolle Gemeinschaft, im Team aber vor allem auch mit den Menschen vor Ort, all die faszinierenden Einblicke in die rumänische Kultur und Geschichte, und das Wissen, eine Woche lang „Schalom“ gelebt zu haben.

Neue Zusammenarbeit mit dem Bonani Hope Center in Südafrika

Seit knapp 10 Jahren hat Lunathi eine Vision. Er möchte, dass Kinder in seinem Heimatdorf Khalinyanga – einem kleinen, ärmlichen Dorf im ländlichen Ostkap Südafrikas – besser aufwachsen können als er. Besser heißt in seinem Fall ohne Hunger, Missbrauchserfahrungen und frühen Kontakt zu Drogen. Aber dafür mit richtiger Schulbildung, ausgewogener Ernährung und einem Ort, an dem man einfach Kind sein kann.

Nach einem langen Prozess der Ausbildung und des Planens, Netzwerkens und Träumens ist er heute Mitgründer des Bonani Drop in Center. Einem integrativen Kinderzentrum, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, solch ein sicherer Hafen für die Kinder aus der Gegend zu sein. Momentan bekommen dort knapp 100 Kinder eine Mahlzeit, werden beim Lernen unterstütz und mit den nötigen Schulmaterialen ausgestattet. Medizinische Versorgung und Tanz- und Sportangebote tragen zu einer ganzheitlichen Förderung der Kinder bei. In all dem legt das Team von Bonani großen Wert auf die Stärkung der Familien, sodass die Eltern dazu bevollmächtigt werden, sich selbst um ihre Kinder kümmern zu können. Der tägliche Zulauf an neuen Kindern, die von immer weiter weg zu Bonani kommen, zeigt den großen Bedarf für nachhaltige Veränderung in der Region.

Wir sind dankbar ab sofort an Lunathis Vision mitwirken zu dürfen. Gemeinsam arbeiten wir daran, die Lebensrealität der Kinder wirkungsvoll zum Besseren zu verändern. Dafür soll in Zukunft vor allem noch die Arbeit mit den Familien weiter gestärkt werden. Ganz praktisch spiegelt sich dass in Seelsorge, Beratung und Erziehungsprogrammen sowie Schulungen zu Finanzmanagement und dem Aufbau kleiner Geschäfte wider.

Wir freuen uns über die gemeinsame Zusammenarbeit mit Lunathi und seinem Team und sind gespannt, was die Zukunft für Khalinyanga bereithält.

Wirkungsbeobachtung: Umfassende Dorfentwicklung in Khotang, Nepal

Seit Herbst 2021 unterstützen wir mit Förderung der Bundesregierung (BMZ) im Bezirk Khotang in Nepal ein umfassendes Dorfentwicklungsprojekt. Dieses Projekt wird eng von uns begleitet und  jedes Jahr in einer etwa zehntägigen Projektbetreuungsreise das gesamte Projektgebiet und zahlreiche Haushalte besucht (etwa 25% aller Haushalte pro Reise); zusätzlich finden umfassende Gespräche mit dem Projektpersonal vor Ort sowie mit dem Personal unseres Partners im Hauptbüro statt. Ein wichtiger Bestandteil dieser Beobachtungen und Gespräche ist, den Projektverlauf zu evaluieren und aufgrund der Beobachtungen Angleichungen vorzunehmen, sodass die Projektziele besser erreicht werden können.

Folgend sind einige Beispiele von Beobachtungen und Erkenntnissen sowie die Umsetzung der daraus abgeleiteten Maßnahmen.

Gemüsegärten
2022 wurde beobachtet, dass nur wenige Familien das Gelernte aus den Schulungen umgesetzt hatten. Daraufhin beschloss der Partner vor Ort, jeden Haushalt zweimal pro Monat zu besuchen und sie besonders zu ermutigen, ihre Gärten gemäß der verbesserten Methoden anzulegen. 2023 konnte hier schon eine deutliche Änderung beobachtet werden; inzwischen sind viele Gärten ordentlich angelegt und bringen höheren Ertrag.

Bewässerung
In fünf von neun Gebieten der sechs Dörfer ist die Bewässerung kein Problem; jedoch ist in den Dörfern bzw. Gebieten Upper Bahuntar, Ninglam, Jhapa und Kurle durchgehender Zugang zu Wasser eine große Herausforderung. Verschiedene Lösungen wurden hier ausprobiert: Die Haushalte werden ermutigt, die Wasserspeicher-Teiche abzudecken, damit weniger Wasser verdunstet; dies wird erst teilweise umgesetzt (allerdings ist ein zusätzliches Problem hier, dass in abgedeckten Teichen eher Dengue-Mücken brüten, daher sollten nur Teiche abgedeckt werden, in denen auch Fische gehalten werden). Außerdem werden die Haushalte weiterhin ermutigt, Abwasser nicht wegzukippen, sondern für Beete zu benutzen. Zusätzlich wurden im Rahmen eines Änderungsantrags für Jhapa, Upper Bahuntar und Ninglam größere Regentonnen als Wasserspeicher genehmigt, die im Sommer 2024 verteilt wurden; inwiefern dadurch das Bewässerungsproblem gelöst ist, wird sich noch zeigen. Für Kurle wird derzeit ein Wasserleitsystem von einem nahegelegenen Bach installiert.

Sicherheitsaspekte
2022 wurde beobachtet, dass die Wasserspeicher-Teiche besonders für kleine Kinder und Tiere eine große Gefahr bilden, da sie nicht umzäunt sind. Die Haushalte wurden ermutigt, solch einen Zaun zu installieren; bis Herbst 2023 hatten etwa 25% der Haushalte ihre Teiche und Gemüsegärten umzäunt. Ein weiteres Sicherheitsthema, das 2022 angesprochen wurde, war Bewusstsein über Erdbeben, Feuer, Erdrutsche u.ä. Der Partner hat dieses Thema in den Unterricht der Kinderzentren mit aufgenommen und wird es noch vermehrt in Selbsthilfegruppen und Hausbesuchen ansprechen.

Müllentsorgung
Auch dieses Thema wurde 2022 angesprochen, da es bisher wenig Bewusstsein für Müllentsorgung gibt. Seitdem wurde folgendes umgesetzt: in den Kinderzentren wird adäquate Müllentsorgung gelehrt; in Hausbesuchen wird das Thema angesprochen; das Projektpersonal geht mit gutem Beispiel voran. Noch umgesetzt werden soll: in den Kinderzentren oder an zentraler Stelle sollte eine große Tonne als Sammelstelle errichtet werden (und mit der Kommunalverwaltung geklärt, wie diese Tonne geleert wird); das Thema der kommunalen Müllentsorgung soll mit Selbsthilfegruppen und lokalen Führungspersönlichkeiten erörtert werden.

Verbesserte Viehzucht
Im Bereich der Viehzucht wurden verschiedene aus Beobachtungen abgeleitete Maßnahmen bereits umgesetzt. Einerseits hatten bisher wenige Haushalte begonnen, bessere Rassen zu züchten; dieses Thema wurde angesprochen und inzwischen haben zahlreiche Haushalte Zuchttiere gekauft (dies geschieht allerdings langsamer in größeren Höhenlagen, da die Zuchttiere dort das Klima nicht vertragen – daher werden hier Kreuzungen vorgenommen). Eine Überlegung, Ziegen nicht nur für Fleischproduktion, sondern auch für Milch und Käse zu nutzen, wurde aus kulturellen Gründen abgelehnt. Eine Herausforderung in 2022 war die Gesundheit der Tiere und technisches Monitoring bzw. Zugang zu einem Tierarzt. Dies wird nun von einem als Tierarzt ausgebildeten Projektteilnehmer ehrenamtlich übernommen; im Rahmen des Änderungsantrags konnten außerdem pro Selbsthilfegruppe ein Gerät für Kastration gekauft werden. Zusätzlich haben vermehrt Familien ihre Tiere versichert; dies soll noch weiter in Hausbesuchen angesprochen werden, da durch plötzliche Erkrankungen wie Schweinepest oder Unfälle immer noch einige Haushalte ihr Vieh verlieren (die Versicherung zahlt 90% des Wertes).

Unterricht in den Kinderzentren
Verschiedene Aspekte wurden 2022 angesprochen: z.B. kreativer Unterricht und bessere Materialien, Classroom Management, Sauberhalten von Büchern, Taschen, Kleidung etc. Einige dieser Aspekte wurden in einer mehrtägigen Schulung für alle Kinderzentren-Lehrer unseres Partners in Nepal im Januar 2024 angesprochen, an der auch das relevante Projektpersonal aus Khotang teilnahm.

Feedback und Beteiligung der Zielgruppe
Die Zielgruppe sollte die Möglichkeit haben, sich voll an der Projektkonzeption zu beteiligen und jederzeit ihr Feedback zu Maßnahmen und dem weiteren Projektverlauf geben zu können. Ursprünglich war die Idee, an verschiedenen Orten einen „Beschwerdebriefkasten“ aufzuhängen, in denen die Projektteilnehmer ihr Feedback einwerfen können. Stattdessen wurde eine Facebook-Seite eingerichtet, auf der alle Haushalte Kommentare hinterlassen können, sowie eine Messenger-Gruppe für die Selbsthilfegruppenleiter. Darüber hinaus haben die meisten Projektteilnehmer die Handynummer des Projektpersonals und können sich jederzeit mit Fragen und Anregungen an sie wenden.

Das Projekt in Khotang geht nun ins letzte Projektjahr; im Rahmen einer Projektreise im November 2024 wird weiter beobachtet, welche Wirkungen erzielt wurden und wo noch Angleichungen notwendig sind.

Warum wir keine Weihnachtspäckchen mehr verschicken?!

Sie wollen wissen, warum wir mit unserer langjährigen Tradition aufhören und zu Weihnachten keine gesammelten Päckchen mehr verschicken? In diesem kurzen Video nennen wir unseren Grund. Vielleicht überrascht er Sie ja?!

Sie möchten darüberhinaus wissen, wie Sie trotzdem noch aktiv mitmachen können? Auch darauf gibt es im Video eine Antwort.

Piluwas Zukunft nimmt Form an

Integratives Kinderzentrum jetzt im vierten Jahr

„Das ist meine Kuh ‚Mali‘ – und ich bin ihre Mutter!“ Roti Maya lacht übers ganze Gesicht, während sie ihrer Kuh über den breiten Rücken streicht. „Sie versteht alles, was ich sage. Wenn sie brüllt und ich ihren Namen rufe, dann beruhigt sie sich. Ich liebe sie sehr!“ Sie hebt einige Blätter auf, entfernt die harten Stiele, hält dem Tier das Grün hin. „Durch unser Projekt hatte ich acht junge Büffel bekommen. Einen hat leider ein Tiger gerissen. Aber die anderen hab ich großgezogen und verkauft, und dann diese Milchkuh und drei Ziegen gekauft.“ Ein oder zwei Liter Milch spart sie täglich für ihre Kinder auf, der Rest wird verkauft. Mit diesem Einkommen kann Roti Maya eine gute Ausbildung für die Kinder bezahlen; bald ist auch genügend gespart für eine zweite Kuh. „Die hab ich auch schon kennengelernt, und bald gehört sie mir!“ erzählt Roti Maya lachend.

Ein geregeltes Einkommen, Ertrag von Viehzucht und Küchengärten für eine bessere Ernährung, eine ordentliche Ausbildung für die Kinder – das sind nur ein paar der Ziele des integrativen Kinderzentrums in Piluwa in der südlichen Ebene Nepals. Dabei beinhaltet die Förderung der Kinder neben Hausaufgabenhilfe auch das nötige Schulmaterial, nahrhafte Mahlzeiten, Hygiene und alles was sie sonst noch brauchen, um sich ganzheitlich positiv zu entwickeln. Die Förderung der Familien hat zum Ziel, dass das Einkommen so verbessert wird, dass sie langfristig für ihre Kinder besser sorgen können – durch Selbsthilfegruppen, verbesserten Gemüseanbau, verbesserte Viehzucht oder alternative Einkommenserwerbe: wie zum Beispiel der kleine Laden von Chandramaya, in dem die Großmutter so ziemlich alles anbietet, was man hier im Alltag braucht, von Puffreis über Zahnbürsten bis hin zu Batterien.

Inzwischen ist das Projekt im vierten Jahr, und daher konnten schon viele Veränderungen beobachtet werden. Wenn man von Haus zu Haus geht, Läden und Teestuben erkundet, Ziegen, Büffel und Schweine trifft und vor allem viele motivierte Mütter, Großmütter und Väter kennenlernt, dann besteht bald kein Zweifel: Piluwas Zukunft nimmt Form an!

Das gilt auch für Samjhana. Als ihr Mann sie verließ, wusste Samjhana nicht, wie sie alleine für ihren kleinen Sohn und die Eltern sorgen sollte. Sie begann, mit einer kleinen fahrbaren Teestube aus Holz ein geringes Einkommen zu verdienen. Das ging ein paar Jahre so. In der Selbsthilfegruppe fand sie viel Unterstützung und erhielt schließlich aus der Gruppe ein Darlehen zu einem guten Zinssatz. Mit diesem Geld und dem Einkommen aus der Teestube konnte sie ein richtiges kleines Haus aus Beton bauen, dass sie als Gasthaus führt; „Hotel“ nennt sie es. Jetzt kann sie jeden Tag einen kleinen Betrag sparen, und hat noch große Pläne für die Zukunft: „Dieses Geschäft macht mir viel Spaß. Ich möchte das Hotel noch erweitern und eine weitere kleine Hütte mit Gästezimmern bauen und Übernachtungen anbieten. Und natürlich möchte ich sparen für die Ausbildung meines Sohnes, und auch für Gesundheitsvorsorge.“ Mit ihrem Einkommen kann sie Sohn und Eltern gut ernähren. „Ich wünsche mir, dass es für meinen Sohn mal einfacher sein wird als für mich. Ich bin überzeugt, dass er sich zu einem guten Menschen entwickeln und viel erreichen wird.“

Direkt gegenüber von Samjhanas Gasthaus ist das Gebäude, in dem das Kinderzentrum stattfindet. Jeden Morgen und jeden Nachmittag erschallt die Gegend von Kinderlachen – die meisten Kinder kommen zweimal am Tag, so wohl fühlen sie sich hier. Die zwei Lehrer kümmern sich hingebungsvoll um jedes Kind; inzwischen kommen auch einige ältere Kinder, die bereits vom Kinderzentrum „graduiert“ haben, um ehrenamtlich zu helfen. „Wir müssen unsere Kinder nie daran erinnern, dass jetzt Zeit fürs Kinderzentrum ist“, berichten die Eltern. „Sie gehen alle automatisch hin, weil sie so gerne dort sind!“ Und das liegt sicherlich nicht nur an der nahrhaften Mahlzeit, die die Kinder dort bekommen. „Das Kinderzentrum ist ein sicherer Ort für sie, ein Zufluchtsort“, erklärt ein Lehrer. „Und die Eltern sind auch sehr froh zu wissen, dass die Kinder hier sind und sich um sie gekümmert wird.“

Alle Familien, die zum Piluwa Kinderzentrum gehören, sind sich einig: Diese tolle Sache muss weitergehen! Aber wie? Kontinuierliche Förderung von außerhalb ist weder nachhaltig noch wünschenswert, da ein zentrales Ziel des Projektes ist, die Unabhängigkeit und Eigeninitiative der Menschen zu stärken. Deshalb sind integrative Kinderzentren von Anfang an darauf ausgelegt, früher oder später – je nach lokaler Situation – finanziell und strukturell selbsttragend zu werden.

Und da ist Piluwa schon auf einem sehr guten Weg! Denn das Projektteam, die Leitungsteams der beiden Selbsthilfegruppen und auch die Familien sind sehr motiviert, das Projekt langfristig selbst weiterzuführen. „Wir werden uns gegenseitig helfen und selbst unsere Bedürfnisse erfüllen und werden keine Unterstützung von anderen mehr brauchen!“, betont eine Mutter. „Unsere Kinder werden sehr talentiert und ehrlich sein und für ihre Familie und Dorfgemeinschaft Verantwortung übernehmen – das ist mein Traum!“

Und die Leiterin der Selbsthilfegruppe ergänzt: „Ich träume, dass wir nicht nur keine Unterstützung von anderen mehr brauchen, sondern dass stattdessen wir anderen Unterstützung geben können, und dass durch uns und unsere Gruppen vielen Menschen geholfen werden kann!“

Eine etwas zu idealisierte Vision der Zukunft? Vielleicht. Aber genau diese Zukunft nimmt in Piluwa Form an.

 

Lesen Sie auch die früheren Beiträge zu diesem Kinderzentrum:
Ein Herz für Piluwa
Eine Zukunft für Piluwa

Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass Piluwas Zukunft noch weiter Form annimmt, dann spenden Sie mit Vermerk „Integrative Kinderzentren Nepal“ (zum allgemeinen Online-Spendenformular; zum Formular für Integrative Kinderzentren).

Oase des Friedens im Nahen Osten

Chaos, Unsicherheit, Angst vor Morgen – diese Herausforderungen ist die NES-Schule in Beirut gewöhnt. Der Bürgerkrieg ist vielen noch präsent, und seit einigen Jahren geht es Schlag auf Schlag: Flüchtlingskrise, religiöse Konflikte, Revolution, katastrophale Wirtschaftskrise, dann noch die Pandemie, Explosion im Hafen, das Erdbeben … und seit vergangenem Oktober die tägliche Angst, dass der Krieg im Nahen Osten sich auf den gesamten Libanon ausweiten könnte. Hunderttausende geben auf und verlassen das Land.

Doch die NES-Schule bleibt, als eine Oase des Friedens im Chaos. 339 Mädchen und Jungs aus 17 Nationen fanden hier in diesem Schuljahr eine Zuflucht – für viele die einzige Chance auf eine Schulbildung. Und die NES bietet ihnen nicht nur eine gute Bildung und einen Ort, an dem sie akzeptiert und wertgeschätzt sind. Sie schenkt den Kindern auch einen geregelten Alltag; gerade in der derzeitigen Unsicherheit macht das einen bedeutenden Unterschied für die psychische Gesundheit. Von Basketball- und Fußballturnieren in den Pausen, kleine Belohnungssysteme für gutes Verhalten, Clubs und spezielle Kurse, bis hin zum Ausflug ins Museum: Die Lehrer lassen sich immer neue kreative Aktivitäten einfallen, um den Kindern einen positiven Alltag zu bereiten und gleichzeitig wichtige Fertigkeiten zu lehren.

Trotzdem wird auch die Not nicht ignoriert. Viele Kinder haben in ihrem jungen Leben schon Schreckliches erlebt; das Chaos und die Furcht der letzten Jahre belasten alle. Im schuleigenen Therapiezentrum finden die Schüler ein offenes Ohr, können Traumata langfristig behandelt werden; auch die Eltern finden hier Rat und Unterstützung.

Ein täglicher Kampf für viele Familien ist, ausreichend Lebensmittel zu kaufen. Auch hier kümmert sich die NES: Schon seit längerer Zeit werden einige Familien mit Essensmarken unterstützt; seit Januar erhalten dank einer lokalen NPO alle Grundschüler ein ausreichendes Frühstück. Die schuleigene Krankenschwester sorgt dafür, dass kein Kind hungrig bleiben muss.

Auch keine bürokratische Hürde ist dem Personal der NES zu hoch, um ihren Schülern einen guten Abschluss zu ermöglichen. Denn oft fehlen Kindern aus Flüchtlings- oder Gastarbeiterfamilien die nötigen Papiere, um offiziell zu absolvieren. Die Schulleiterin und ihr Team investieren Tage und Wochen, bis sie auch noch in der kompliziertesten Situation das nötige Zertifikat erkämpfen können. So konnten im Juni alle 20 Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse graduieren.

Und noch weitere Schritte hat die NES-Schule geplant, um für möglichst viele Kinder eine Oase des Friedens zu sein: Im Frühjahr absolvierten zwei Mitarbeiterinnen eine Ausbildung für Inklusion, sodass die Schule zukünftig mehr Kinder mit Behinderung oder Lernschwierigkeiten aufnehmen kann. Eine spezielle Akkreditierung soll vereinfachen, dass der Abschluss international anerkannt wird. Fürs kommende Schuljahr ist ein Programm geplant, dass Selbstbewusstsein und Resilienz der Kinder fördert. Und die Hoffnung bleibt, dass ein weiteres Grundstück gekauft und die Schule erweitert werden kann, denn bereits im Mai waren alle Schulplätze für kommenden Oktober vergeben, und täglich rufen zahlreiche Eltern an, die hoffen, dass ihr Kind eine Chance an der Schule bekommt.

Im Schuljahr 2023-24 förderten wir mit dem „NES Studienfond“ 32 Kinder aus 25 sozialschwachen Familien. Der Bedarf fürs kommende Schuljahr ist noch gestiegen. Sie können Kindern im Libanon eine gute Schulbildung und einen sicheren Zufluchtsort ermöglichen, indem Sie für den „NES Studienfond“ spenden an: Helping Hands e.V., IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394 (zur Online-Spende).